Depression & Burnout – der Umgang mit Betroffenen

Frau mit DepressionDie Anzahl diagnostizierter psychischer Erkrankungen nimmt zu, fast jeder kennt mindestens eine Person, die von einer einer seelischen Krankheiten betroffen ist. Am bekanntesten sind hier die Depression und das Burnout-Syndrom. Doch trotz ihrer Häufigkeit fällt vielen Menschen der Umgang mit Betroffenen schwer – oft einfach, weil sie zu wenig über die Krankheit und die damit verbundenen Veränderungen im Leben der Betroffenen wissen.

Die Depression – was sie ausmacht

Die Depression ist eine psychische Erkrankung, die zu den Affektstörungen zählt, also das Gefühlsleben betrifft. Durch ein gestörtes Gleichgewicht der Neuro-Transmitter im Gehirn kommt es zu der typischen Symptomatik, die durch ein langandauerndes Gefühl der Traurigkeit und eine schwermütige Gefühlslage gekennzeichnet ist. Eine depressive Person leidet unter Freudlosigkeit, einem geschwächten Selbstwertgefühl und tiefer Niedergeschlagenheit. Mit einher geht oft ein deutlicher Gewichtsverlust, der durch krankheitsbedingte Appetitlosigkeit ausgelöst wird. Normalerweise wird eine Depression auch durch andere somatische Probleme begleitet, beispielsweise Schlafstörungen, Libidoverlust und nicht rational erklärbare körperliche Schmerzen.

Ein ständiges Müdigkeits- und Erschöpfungsgefühl begleitet die Betroffenen, oft können sie sich kaum mehr auf etwas konzentrieren. Dadurch werden schon scheinbar normale Anforderungen für Sie zur kraftraubenden Herausforderung – in akuten depressiven Phasen überfordert es die Patienten schon einen Anruf zu tätigen oder auch nur entgegen zu nehmen, an die Bewältigung von Haushalt oder Arbeitsalltag ist hier gar nicht zu denken.

Es gibt verschiedene Formen der Depression, die sich in ihrer Ausprägung und genauen Symptomatik unterscheiden. Als einfache Unterteilung können unipolare Störungen (major Depression) und bipolaren Störungen (manisch-depressive Störung) unterschieden werden. Unipolare Störungen sind dabei hauptsächlich durch negatives Gefühlsempfinden geprägt, während bipolare Störungen durch extreme Schwankungen zwischen Manie und Depression gekennzeichnet sind. Die Saisonal-affektive Störung, auch unter dem Begriff Winterdepression bekannt, ist eine Sonderform der unipolaren Störung, die auftritt, wenn der Körper unter Lichtmangel leidet und dementsprechend zu wenig Serotonin ausschüttet. Die Symptomatik unterschiedet sich bei der Winterdepression allerdings kaum von der Major Depression, wenn auch die Zeitdauer begrenzt ist. Eine weitere häufige Sonderform ist die Postnatale Depression, auch als Wochenbettdepression bekannt. Sie ist die Folge der starken körperlichen und sozialen Veränderungen während der Schwangerschaft und nach der Geburt und ist oft gut behandelbar.

Bei einer leichten Depression ist der Kranke noch normal arbeitsfähig, funktioniert im Alltag noch weitgehend normal. Der geregelte Alltag hilft sogar, die Psyche zu stabilisieren. Handelt es sich aber um eine starke Depression, ist ein normaler Alltag nicht mehr möglich. Der Depressive wird dann krank geschrieben und sollte eventuell vorübergehend eine stationäre Therapie aufnehmen.

Egal welche Form der Depression aber vorliegt, eines ist immer klar: Ein Depressiver sieht die Welt anders, als ein gesunder Mensch. Und er leidet an einer ernstzunehmenden und behandelbaren Krankheit, nicht etwa an einem vorübergehenden Stimmungstief, das er durch pure Willenskraft überwinden kann.

Das Burnout-Syndrom – Abgrenzung zur Depression

Das Burnout-Syndrom weist viele Ähnlichkeiten mit einer Depression auf, dennoch gibt es auch Unterschiede. Burnout – das heißt ausbrennen. Häufig kommt es in Verbindung mit besonders fordernden Arbeitsbedingungen vor, generell gesagt entsteht ein Burnout durch ein Ungleichgewicht zwischen vorhandenen Ressourcen und Anforderungen. Burnout Patienten haben fast immer hohe Leistungserwartungen an sich und gehen häufig, fast täglich, an ihre Grenzen. Durch diese ständige Aufopferung geraten sie früher oder später in einen andauernden Erschöpfungszustand. Gleichzeitig empfinden sie sich selbst als versagend und versuchen deshalb mit noch mehr Kraftanstrengung Leistungen zu bringen. Als Folge werden emotionale Regungen so gut wie möglich ausgeblendet, Situationen rein auf sachlicher Ebene betrachtet, dazu kommt Antriebslosigkeit, Gleichgültigkeit, oft auch Reizbarkeit und Schlafstörungen.

Ein Burnout-Syndrom kann in Verbindung mit dem Arbeitsplatz auftreten, ebenso ist es aber möglich, als engagierte Hausfrau und Familienmutter an einem Burnout zu erkranken – keineswegs ist diese Krankheit den Managern oder Chefetagen vorbehalten. Da bisher keine genetische Disposition nachgewiesen werden konnte, kann man davon ausgehen, dass ein Burnout-Syndrom jeden treffen kann. Ebenso wie die Depression handelt es sich dabei um eine ernstzunehmende Erkrankung, die eine korrekte Therapie erfordert und keinesfalls durch einen einfachen Arbeitsplatz-Wechsel verschwindet.

Was ein Betroffener nicht braucht

Wenn ein Mensch, der einem nahe steht an einer Depression oder einem Burnout erkrankt, ist es oft unerträglich für die Angehörigen, dem Patienten beim Leiden zu zusehen. Viele ziehen sich deshalb von Betroffenen zurück. Andere versuchen zu helfen. Was zunächst gut gemeint ist, wirkt aber in der Praxis oft nicht nur unbeholfen, sondern kann den Erkrankten sogar noch weiter herunter ziehen.

„Reiß dich doch zusammen!“
„Versuch doch wenigstens, das positiv zu sehen!“
„Geh doch mal wieder aus dem Haus!“
„Wein‘ doch nicht schon wieder!“

Diese Sätze sind werden oft mit guter Absicht ausgesprochen, wirken aber wie ein Schlag ins Gesicht des Betroffenen. Sie vermitteln ihm das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden, selbst schuld an den negativen Gefühlen zu sein, ja, sie sogar selbst durch seine Starre und Tatenlosigkeit hervorzurufen. Für das aufgrund der Erkrankung in beiden Fällen ohnehin stark angeschlagene Selbstbild der Betroffenen wirkt das wie Gift.

Den Erkrankten aber zu sehr in Watte zu packen und auf hundertprozentiges Verständnis zu pochen ist allerdings auch nicht der richtige Weg. Denn dadurch wird den Betroffenen aus der Verantwortung für sein Handeln genommen und fühlt sich wiederum nicht ernst genommen. Außerdem fehlt so jeder Ansporn, eine Behandlung voranzutreiben.

Was ein Betroffener braucht

Dennoch braucht jemand, der von einem Burnout oder einer Depression betroffen ist eine große Portion Verständnis. Dabei sollten sich Angehörige allerdings mit Bewertungen zurück halten: Oft gibt es nichts hilfreicheres, als eine Schulter zum Ausweinen – und das ist wörtlich gemeint. Besonders bei Depressiven werden angestaute Emotionen oft als tausende von Tränen ausgespült und auch wenn es den wenigsten Depressiven zu diesem Zeitpunkt so vorkommt: Es ist der erste Schritt zur Heilung. Zu oft aber schämt sich ein Betroffener zu weinen, möchte die Kontrolle nicht abgeben, möchte nicht schwach wirken. Und vor allem, möchte er nicht getröstet werden. Denn Trost zu finden, erscheint zu diesem Zeitpunkt so unrealistisch, dass schon der Gedanke daran eine neue Frustration für den Erkrankten mit sich bringt.

Vielmehr geht es einfach darum, dass der andere da ist, ohne dabei Erwartungen zu hegen. Unter Umständen nimmt es ein Betroffener gerne an, wenn man ihm anbietet, ihn zur Therapie zu fahren oder auch ihn zum Arzt zu begleiten. Manchmal reicht es aber auch völlig, manchmal vorbei zu schauen und nach dem Rechten zu sehen, ohne dabei zu erwarten, dass der Kranke Freude oder gar Dankbarkeit für den Besuch zeigt – denn dazu sind Depressive oder Burnout Patienten oftmals nicht mehr in der Lage.

Außerdem ist es hilfreich ein Feld aufzubauen, in dem der Erkrankte weitgehend gefahrlos selbst wirksam werden kann. Das kann ein kleines Stück Garten sein, das gestaltet werden kann oder auch Bilder, die die Möglichkeit bieten, sich auszudrücken. Wichtig ist, dass hier kein Leistungsdruck entsteht, kein Zwang, der Betroffene aber trotzdem etwas schaffen kann, auf das er stolz sein kann.

Der Schlüssel zum Verständnis

Dass sowohl Depressive als auch Burnout Patienten einen anderen, schwermütigen Blick auf die Welt haben, steht außer Frage. Dass ihre Angehörigen ihnen gerne helfen und für sie da sein möchten auch. Um angemessen mit einem Erkrankten umgehen zu können, ohne sich dabei seine ungesunde Sichtweise zu eigen zu machen, ist der Schlüssel zum Verständnis die Akzeptanz. Man muss lernen, eine Person zu akzeptieren, so wie sie ist, ob mit Erkrankung oder ohne. Ebenso, wie die Erkrankten selbst lernen müssen, sich zu akzeptieren, um ihrer Krankheit Herr zu werden.

Beste Grüße
Sabine Hertz
Hot-Fit Redaktion

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