Zecken – Wissenwertes über die Plagegeister

ZeckenWenn im Frühling die ersten Sonnenstrahlen locken, dann erwachen nicht nur zufrieden summende Bienen und wunderschöne Schmetterlinge aus der Winterruhe – auch weniger erwünschte Krabbeltiere, wie Spinnen, Mücken und Zecken erwachen gut ausgeruht und bereit für neue „Schandtaten“. Während Spinnen aber nur unerwünscht und Mücken lediglich lästig sind, können Zecken zur ernsthaften Gefahr für Ihre Gesundheit werden. Das hat sich mittlerweile auch herumgesprochen: Fast jeder weiß, dass Zeckenstiche Borreliose oder FSME auslösen können. Darüber hinaus wissen die meisten Menschen aber recht wenig über die 8-beinigen-Bösewichte. Hier erfahren Sie alles, was Sie über Zecken und die Gefahr, die von ihnen ausgeht, wissen müssen – denn wie heißt es so schön: Umso besser man seinen Feind kennt, umso besser kann man sich vor ihm schützen!

Zecken – Riesen-Milben mit Blutdurst

Zecken gehören zu den Spinnentieren und werden den Milben zugeordnet – genauer gesagt: Sie sind die größten bekannten Milben. Sie ernährt sich parasitär vom Blut von Wirbeltieren, denen Sie im Grünen auflauert. Weltweit sind rund 900 verschiedene Zeckenarten bekannt, auch wenn diese für den Laien kaum zu unterscheiden sind. Diese Spinnentiere sind weltweit verbreitet, lediglich im Dauerfrost der Arktis und der Antarktis können sie nicht leben. An ihrer Verbreitung kann man bereits erahnen, wie robust und widerstandsfähig gegen äußere Einflüsse die blutsaugenden 8-Beiner sind: Ob Hitze oder Kälte, Feuchtigkeit oder Trockenheit – Zecken überleben fast alles. Sinken die Temperaturen unter 7°C fallen Sie in eine Art Winterstarre, steigen die Temperaturen, kommt wieder Leben in die kleinen Krabbler. Wollen Sie eine Zecke töten, sollten Sie sich entweder mit Feuer „bewaffnen“, oder gezielt den Kopf zwischen zwei harten, glatten Flächen zerreiben.

In ihrem Leben durchläuft die Zecke mehrere verschiedene Entwicklungsstadien, von der Larve über die Nymphe bis hin zur adulten Zecke. In jedem dieser Stadien ist die Zecke auf Blut als Nahrung angewiesen. Die winzigen Larven haben erst 6 Beine und sind weniger als einen halben Millimeter groß – sie am Körper zu entdecken ist fast unmöglich, allerdings bevorzugen die Larven auch kleinere „Beute“ als Wirt und halten sich lieber in den Bauten von potentiellen Wirten auf (zum Beispiel in Nagerhöhlen), als in der freien Natur. Nach der ersten Blutmahlzeit häuten sich die Larven – im darauffolgenden Nymphen-Stadium sind sie bereits etwas mehr als einen Millimeter groß. Als Nymphe kommt für eine Zecke der Mensch bereits als Wirt in Frage, da stehen sie ihren adulten Artgenossen in nichts nach. Tatsächlich kommt der Mensch häufiger mit den kleinen Nymphen in Kontakt, da diese schlichtweg häufiger vorkommen.

Sowohl Nymphen als auch adulte Zecken halten sich vor allem im Unterholz und im hohen Gras auf. Sie nutzen ihre Kraft, um auf die Halme zu klettern und dort auf Beute zu lauern. Kommt ein Wirt vorbei, streifen sie sich ab und klammern sich an ihm fest. Langsam und zielstrebig klettern sie den Körper des Wirtes ab, bis sie eine geeignete Stelle zum Stich gefunden haben: Die Haut sollte dünn und weich sein, die Stichstelle geschützt liegen. Achselhöhle, Schambereich oder Kniekehlen sind am Menschen beliebte Stellen für Zeckenstiche.

Welche Krankheiten verbreiten „unsere“ Zecken?

Vorab: Nicht jede Zecke muss zwangsläufig auch ein Krankheitsüberträger sein! Infizierte Tiere geben die Erreger allerdings bei jedem Stich mit ihrem Speichel weiter. Deshalb sollten Sie jeden Zeckenstich nach der Entfernung des Parasiten für mehrere Wochen beobachten – schließlich ist eine Infektion immer möglich und muss dann auch ärztlich behandelt werden. Damit Sie den Stich nicht aus dem Auge verlieren, umkreisen Sie ihn am besten mit einem wasserfesten Stift und vergessen Sie nicht, ihn von Zeit zu Zeit nachzuzeichnen. Denn so entdecken Sie auffällige Rötungen oder Verhärtungen unterhalb der Stichstelle schneller und können Sie eher zuordnen. Erwähnen Sie bei Arztbesuchen am besten auch, wenn Sie in den vergangenen Wochen von einer Zecke gestochen wurden – so kann ein möglicher Zusammenhang zwischen dem Stich und den Krankheitssymptomen schneller hergestellt werden.

Die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) und die Borreliose

FSME ist eine Viruserkrankung, die Entzündungen im Gehirn oder in der Hirnhaut auslöst. FSME kann tödlich enden, allerdings ist es mittlerweile möglich mit wenigen Arztbesuchen einen guten und dauerhaften Impfschutz gegen die gefährliche Hirnhautentzündung aufzubauen.

Borreliose hingegen wird von Bakterien ausgelöst. Da es sich um ein mulitfaktorielles Krankheitsbild handelt, ist Borreliose nicht leicht zu diagnostizieren. Auffällig ist vor allem die Rötung rund um die Einstichstelle, später kann es zu Hirnhautentzündung kommen, zu grippeartigen Symptomen, zu Herzproblemen, zu schmerzhaften Gelenkentzündungen oder auch zu Lähmungserscheinungen (vor allem im Gesicht). Streng genommen können die Borrelien jedes Organ befallen, ebenso das Nervensystem und das Gewebe. Derzeit gibt es leider noch keinen Impfschutz gegen Borreliose, allerdings können Sie die Gefahr einer Infektion deutlich reduzieren, indem Sie die Zecke nach dem Stich so schnell wie möglich entfernen.

Wie können Sie sich vor Zecken schützen?

Während der Zeckenzeit ist ein vollständiger Schutz gegen Zecken leider nicht möglich. Allerdings können Sie vieles tun, um die blutsaugenden Spinnentiere von sich fernzuhalten. Die richtige Kleidung ist ein erster Schritt: Ein hoher Schuhschaft, enge Hosen aus festem Stoff und  keine offen liegenden Hautstellen bieten bereits einen gewissen Schutz. Denn ein so kleines Tier wie eine Zecke, hat nicht ausreichend Energie, um einen sehr weiten und beschwerlichen Weg zur Nahrung auf sich nehmen zu können. Auch helle Kleidung ist eine gute Vorsorge gegen Zeckenstiche – nicht weil Zecken helle Kleidung meiden würden, sondern einfach deswegen, weil Sie auf hellen Kleidungsstücken die dunklen Zecken besser erkennen können, als auf dunkler Kleidung.

Außerdem sollte Zeckenspray in der Zeckenzeit Ihr fester Begleiter auf jedem Ausflug in Wald und Flur sein. Die Mittel bieten zwar auch keinen 100%igen Schutz, wirken aber über einen gewissen Zeitraum hinweg abschreckend auf die kleinen Blutsauger.

Das wichtigste Hilfsmittel, wenn Sie Zeckenstiche vermeiden wollen ist aber ganz klar eines: Nämlich gründliches Absuchen! Nach dem Aufenthalt in der Natur sollten Sie sich und ihre Kleidung gründlich absuchen, um die winzigen Plagegeister aufzuspüren und noch vor dem Stich entfernen zu können.

Besonders bei Kindern sollten Sie sich bemühen, die Schutzmaßnahmen sorgfältig einzuhalten. Denn schließlich spielen Kindern am liebsten draußen. In FSME-Risikogebieten sollten Sie außerdem eine FSME-Schutzimpfung in Betracht ziehen – drei kleine Impfungen bewahren Ihr Kind so vor schmerzhaften und unter Umständen sogar tödlichen Folgen!

So werden Sie die Zecke wieder los – Zeckenentfernung

Manchmal helfen allerdings alle Schutzmaßnahmen nichts: Hat die Zecke einmal zugestochen, ist es von größter Wichtigkeit, den Parasit schnell wieder loszuwerden. Denn während dem Blutsaugen gelangt ständig Zecken-Speichel und mit ihm unter Umständen auch gefährliche Erreger in den Körper – umso länger eine Zecke saugen kann, umso größer ist also auch die Gefahr einer Infektion.

Die Zeckenentfernung sollte auch deshalb schnell und sauber erfolgen, weil Zecken bei Stress und im Todeskampf (beispielsweise wenn Alkohol oder ähnliches auf die Zecke aufgetragen wird) vermehrt Speichel absondern – die Infektionsgefahr steigt also durch unsachgemäßes Entfernen noch einmal an!

Zum Arzt muss man dennoch nicht bei jedem Zeckenstich – im Gegenteil, durch Anfahrtszeit und Wartezeiten im Vorzimmer verstärkt sich so sogar die Infektionsgefahr. Besser ist es, die Zecke direkt selbst zu entfernen und erst dann zum Arzt zu fahren, wenn entweder Hautirritationen auftauchen oder man eine besondere Gefahr für sich sieht, zum Beispiel während der Schwangerschaft.

Um die Zecke selbst sauber und sachgemäß aus Ihrer Haut zu bekommen, gibt es eine Vielzahl praktischer Hilfsmittel: Am bekanntesten ist wohl die Zeckenzange, aber auch Zeckenkarte oder Pinzette haben sich als narrensichere Hilfsmittel erwiesen. Eines haben alle diese Helfer gemeinsam: Sie packen die Zecke direkt an der Haut, also zwischen Kopf und Beißwerkzeug, um sie entweder durch eine leichte Drehbewegung oder durch konstanten, gerade angesetzten Zug zu entfernen. Anschließend bleibt nur eines zu tun: Den Stich zu markieren und abzuwarten. Zeigen sich auch nach mehreren Tagen, in Einzelfällen sogar Wochen, noch keine Hautirritationen an der Einstichstelle, ist ein Arztbesuch hinfällig.

Manchmal bleibt nach der Entfernung der Zecke ein Teil des Parasiten in der Haut zurück, landläufig wird gern gesagt, der Kopf würde noch in der Haut stecken. Tatsächlich ist es zumeist aber nur ein Teil des Stechapparates, der nach einiger Zeit von ganz allein abgestoßen wird undso kein Gesundheitsrisiko darstellt. Wer auf Nummer Sicher gehen will, kann sich die „Rest-Zecke“ aber natürlich auch vom Hausarzt entfernen lassen.

Verbreitete Zecken-Irrtümer

Zecken fallen von Bäumen
Schon Oma hat uns gewarnt, im Wald immer eine Kopfbedeckung zu tragen – denn sonst lassen sich die Zecken von oben herab aus den Bäumen auf uns fallen um unser Blut zu saugen! Nun, lassen Sie es uns kurz machen: Das ist natürlich Quatsch. Zecken lauern im Gras und Gebüsch – bis auf Bäume zu klettern, um von dort aus auf ihre Wirte zu springen, wäre schon wegen der Gefahr, diese dann zu verfehlen eine energetische Null-Nummer.

Keine Angst vor Frühsommer-Meningo-Enzephalitis! Es ist doch schon Hochsommer…
Frühsommer-Menigo-Enzephalitis kommt nur im Frühsommer vor? Leider nicht. Die Krankheit wurde nach der Zeit benannt, in der sie erstmals beschrieben wurde – nicht nach der Zeit ihres Vorkommens. Mit anderen Worten: Immer, wenn Zecken aktiv sind, die mit FSME infiziert sind, können die Viren verbreitet werden – egal ob Frühsommer oder nicht!

Wenn man eine Zecke schnell entfernt, dann droht keine Infektionsgefahr
Zugegebenermaßen: Es ist tatsächlich von Vorteil, eine Zecke so schnell wie möglich zu entfernen. Ein Schutz vor Infektionen ist es aber nicht. Da der infizierte Speichel ab dem ersten Moment des Stiches in den menschlichen Körper eindringt, muss auf jeden Fall JEDER Stich beobachtet werden – egal ob die Zecke 2 Minuten oder 2 Stunden daran gesaugt hat.

Beste Grüße
Sabine Hertz
Hot-Fit Redaktion

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